Permanent Make-up entfernen: Korrektur statt Kaschieren
Permanent Make-up lässt sich per Laser entfernen, und die Behandlung fällt seit dem 31. Dezember 2020 unter denselben Arztvorbehalt wie die Tattooentfernung: § 5 Absatz 2 NiSV nennt die Entfernung von Tätowierungen und Permanent Make-up in einem Atemzug.
Warum PMU anders ist als ein Tattoo am Arm
Permanent Make-up sitzt im Gesicht, also auf sehr dünner Haut, dicht an Auge, Lippenrot und Haarwurzeln. Die Pigmentmenge ist geringer als bei einem Tattoo, dafür liegen die Partikel flacher. Das klingt nach einer leichteren Aufgabe, ist aber eine heiklere: Der Spielraum zwischen zu wenig und zu viel Energie ist schmaler, und Fehler sind im Gesicht sofort sichtbar.
Dazu kommt die Farbchemie. PMU-Pigmente enthalten häufig Eisenoxide und Titandioxid, um Hauttöne nachzubilden. Diese Stoffe können unter dem Laserimpuls chemisch umschlagen und statt heller plötzlich dunkler oder grau werden. Der Fachbegriff dafür ist paradoxe Verdunkelung. Sie lässt sich meist in weiteren Sitzungen wieder auflösen, sie ist aber der Hauptgrund, warum vor der Flächenbehandlung ein Testfeld gesetzt wird.
| Punkt | Wert | Hinweis |
|---|---|---|
| Rechtslage | Arztvorbehalt seit 31.12.2020 | § 5 Abs. 2 NiSV |
| Abstand zwischen Sitzungen | 6 bis 8 Wochen | Abtransport über das Lymphsystem |
| Vor der Fläche | 1 Testfeld | wegen möglicher Verdunkelung |
| Farbverbot Pigment Blau 15:3 | seit 04.01.2023 | REACH, 24 Monate Übergang |
| Stoffbeschränkung allgemein | seit 04.01.2022 | über 4.000 Stoffe |
Der rechtliche Rahmen ist eindeutig
§ 5 Absatz 2 NiSV führt die Entfernung von Tätowierungen oder Permanent Make-up unter den Anwendungen auf, die approbierten Ärztinnen und Ärzten mit entsprechender Weiterbildung vorbehalten sind. In derselben Aufzählung stehen ablative Laseranwendungen, Behandlungen mit Verletzung der Epidermis, Gefäßveränderungen und pigmentierte Hautveränderungen. Wer PMU entfernen lässt, sitzt also in einer Arztpraxis, nicht im Studio, das es gestochen hat.
Auf der Farbseite hat sich seit 2022 ebenfalls etwas bewegt. Die REACH-Beschränkung erfasst seit dem 4. Januar 2022 mehr als 4.000 Stoffe in Tätowiermitteln und PMU-Farben, seit dem 4. Januar 2023 zusätzlich Pigment Blau 15:3 und Pigment Grün 7. Was vor diesen Stichtagen gestochen wurde, liegt weiterhin in der Haut, unabhängig davon, ob die Farbe heute noch verkehrsfähig wäre.
Ablauf, Sitzungen und was danach kommt
Am Anfang steht die Beurteilung: Welche Farbe wurde verwendet, wie tief liegt sie, wie alt ist die Arbeit. Danach folgt in aller Regel ein Testfeld an einer unauffälligen Stelle, dessen Reaktion nach einigen Wochen beurteilt wird. Erst dann wird die Fläche behandelt. Die Abstände entsprechen denen bei Tattoos, in der Praxis 6 bis 8 Wochen.
Nach jeder Sitzung entsteht eine kleine Wunde. Sie wird versorgt und braucht in den folgenden Tagen Ruhe, keine Sonne und keine Reizstoffe. Weder Make-up noch Selbstbräuner gehören in dieser Zeit auf die behandelte Stelle. Wer eine Neupigmentierung plant, wartet damit, bis die Haut vollständig abgeheilt ist.
| Bereich | Sitzungen | Abheilung | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Augenbrauen | 4 bis 8 | 7 bis 14 Tage | Verdunkelung möglich |
| Lidstrich | 4 bis 8 | 5 bis 10 Tage | Augenschutz zwingend |
| Lippenkontur | 4 bis 10 | 7 bis 14 Tage | Herpesneigung vorher klären |
| Testfeld | 1 | 2 bis 4 Wochen bis zur Beurteilung | vor jeder Fläche |
Was das in Berlin bedeutet
Der Arztvorbehalt gilt bundesweit, in Berlin also genauso wie anderswo. Praktisch heißt das: Die Suche führt zu Hautarztpraxen und ärztlich geführten Laserzentren, nicht zu Kosmetikstudios. Zuständige Berufsaufsicht ist die Ärztekammer Berlin, Termine bei niedergelassenen Fachärztinnen und Fachärzten vermittelt die Terminservicestelle unter der bundesweiten Nummer 116 117.
Verlangen Sie die Approbation und die Fortbildung im Laserbereich als Auskunft, nicht als Vermutung. Ein Anbieter, der auf diese Frage ausweicht, ist unabhängig von seiner Bewertung im Netz der falsche.
Warum die Farbe verdunkeln kann
PMU-Farben bilden Hauttöne nach, und dafür stecken häufig Eisenoxide und Titandioxid darin. Beide sind Metallverbindungen, die unter dem Laserimpuls chemisch reagieren können. Aus einem hellbraunen Pigment wird dabei ein dunkleres oder graues, und die behandelte Stelle sieht nach der Sitzung schlechter aus als vorher.
Diese paradoxe Verdunkelung ist kein Behandlungsfehler und in aller Regel nicht endgültig. Sie lässt sich in weiteren Sitzungen auflösen, kostet aber Zeit und Nerven. Genau deshalb wird ein Testfeld an einer unauffälligen Stelle gesetzt und dessen Reaktion über einige Wochen beobachtet, bevor die Fläche drankommt.
Was das für die Planung heißt
Rechnen Sie mit einem zusätzlichen Termin vor dem eigentlichen Beginn und mit einer Wartezeit von 4 bis 6 Wochen bis zur Beurteilung. Wer eine Neupigmentierung zu einem festen Datum plant, etwa vor einem Anlass, plant von hinten und lässt mindestens ein halbes Jahr Luft.
Die Abheilung Schritt für Schritt
Nach jeder Sitzung entsteht eine oberflächliche Wunde. Sie nässt für wenige Stunden, bildet dann eine feine Kruste und heilt je nach Bereich in 5 bis 14 Tagen ab. In dieser Zeit gilt: nicht kratzen, keine Sonne, kein Solarium, keine Sauna, kein Schwimmbad und keine Peelings im Behandlungsgebiet.
Make-up bleibt für mindestens 7 Tage von der Stelle. Das gilt auch für Selbstbräuner und für Pflegeprodukte mit Fruchtsäuren. Lichtschutz ab Faktor 30 gehört danach für mehrere Wochen zum Programm, weil frisch behandelte Haut unter UV leicht nachdunkelt.
Die endgültige Beurteilung einer Sitzung ist frühestens nach 6 Wochen möglich. Wer nach 10 Tagen enttäuscht ist, urteilt zu früh: Ein Teil der Aufhellung entsteht erst durch den Abtransport der Pigmentbruchstücke über das Lymphsystem.
Vor dem ersten Termin klären
- Liegt eine Approbation vor, und welche Laserfortbildung besteht?
- Wird ein Testfeld gesetzt und dessen Reaktion abgewartet?
- Ist bekannt, welche Farbe seinerzeit verwendet wurde?
- Besteht eine Neigung zu Herpes, besonders im Lippenbereich?
- Wie viele Sitzungen werden geschätzt, und was kostet die Serie?
- Wann ist eine Neupigmentierung frühestens möglich?
Häufige Fragen
Kann sich das Pigment durch den Laser verdunkeln?
Ja. Eisenoxide und Titandioxid, die in vielen PMU-Farben stecken, können unter dem Laserimpuls chemisch umschlagen und dunkler erscheinen. Deshalb wird vor der Flächenbehandlung ein Testfeld gesetzt und dessen Reaktion abgewartet.
Darf mein Kosmetikstudio das PMU wieder entfernen?
Nein. § 5 Absatz 2 NiSV nennt die Entfernung von Permanent Make-up ausdrücklich unter den Anwendungen, die approbierten Ärztinnen und Ärzten mit entsprechender Weiterbildung vorbehalten sind.
Wie lange muss ich vor einer Neupigmentierung warten?
Bis die Haut vollständig abgeheilt ist und das Ergebnis der letzten Sitzung sichtbar beurteilt werden kann. In der Praxis liegen zwischen zwei Sitzungen 6 bis 8 Wochen, die abschließende Beurteilung braucht denselben Abstand.
Geht auch ein Lidstrich direkt am Wimpernkranz weg?
Behandlungen so dicht am Auge verlangen Augenschutz und ärztliche Erfahrung. Ob und wie weit sie möglich sind, entscheidet die Untersuchung vor Ort. Pauschale Zusagen im Netz sind an dieser Stelle wertlos.
Ist die Behandlung schmerzhaft?
Der Impuls ist im Gesicht deutlich spürbar. Kaltluftkühlung während der Sitzung mildert das Empfinden. Die Sitzungen sind kurz, weil die Flächen klein sind.
Wie viele Sitzungen brauche ich für PMU?
Je nach Bereich und Farbmenge meist 4 bis 10 Sitzungen im Abstand von 6 bis 8 Wochen. Eine belastbare Zahl gibt es erst nach dem Testfeld.
Quellen
- NiSV § 5, Fachkunde und Arztvorbehalt · Gesetzestext im Volltext
- Europäische Chemikalienagentur: Tätowierfarben und Permanent Make-up · REACH-Beschränkung seit 4. Januar 2022
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Fragen und Antworten zu Tätowiermitteln · Stand 16. April 2025
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